Pelagisch angeln: Gezielt auf große Freiwasser-Räuber


 
 
 

Pelagisch angeln beschreibt das gezielte Anfischen großer Räuber im Freiwasser. Dazu werden die Fische mit dem Echolot gesucht und der Köder dann genau vor der Nase präsentiert. Die Angeltaktik kommt aus Schweden und findet auch bei uns immer mehr Anhänger. Jan Pusch und Christian Wienecke erklären, wie es funktioniert.

Grundvoraussetzung für das Pelagisch angeln ist ein mit Motor betriebenes Angelboot, ein Echolot (Fishfinder) und die richtige Angelausrüstung. Idealerweise sollte das Gewässer nicht zu klein sein und Tiefen von mindestens 8 Meter aufweisen. Große Hechte und Zander finden keine Unterstände oder Hindernisse im Freiwasser.

Dennoch halten sie sich wegen des reichen Nahrungsangebotes und fehlender Fressfeinde gerne hier auf. Besonders in den mittleren und oberen Wasserschichten, dicht unter den Kleinfischschwärmen, jagen sie nach Beute. Genau diese großen Räuber gilt es beim Pelagisch angeln zu suchen, zu finden und zu fangen.

Pelagisch angeln: Mit dem Echolot zum Fisch

Zum Finden der Fische stellen wir anfangs das Echolot auf einen breiten Sendekegel (83 kHz 60 Grad) ein. So wird eine große Wasserfläche optimal abgesucht. Ist ein Räuber gefunden, ist ein schmaler Sendekegel (200 kHz 20 Grad) für eine hohe Auflösung ideal.

Große Zander oder Hechte werden im Echolotbild als Fischsichel dargestellt. Bei sehr langsamer Fahrt oder Stillstand auch nur als breiter Strich. Ist eine Fischsichel gefunden, besteht die Kunst darin, das Boot direkt über dem Räuber zu halten, sodass dieser sich genau im Sendekegel vom Echolot befindet. Durch ständige Kontrolle des Echolotbildes wird das Boot über den Fisch manövriert.

Pelagisch angeln: Köderwahl

Als Köder kommen beim Pelagisch angeln meistens große No-Action-Shads oder Gummifische mit Sichelschwanz ab 20 Zentimeter Länge in den Einhänger. Wer davor Angst hat, wird sich wundern, wie weit sich ein kapitaler Zander solche Gummilatschen hinter die Kiemen haut! Oft wird behauptet, dass Stillwasserzander besonders vorsichtig beißen, aber eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall! Sie lassen sich vor der Attacke auch schon einmal Zeit, aber die Bisse an sich sind absolut vehement und brutal. Wenn ein Großzander eine Beute will dann mit aller Macht!

Da beim Vertikalangeln im Freiwasser wenig Zeit bleibt, einem georteten Fisch den Köder zu präsentieren, muss er schnell zum Fisch. Deshalb sind unsere Jiggköpfe mindestens 28 Gramm schwer. Ich nehme besonders gerne stromlinienförmige Jigköpfe. Durch die spitze Form bieten sie noch weniger Widerstand und der Köder ist noch schneller am Fisch als ein Rundkopf.

Auch wenn die Freiwasserräuber einen Köder meistens brutal angreifen, montiere ich zusätzlich zwei Stinger. Nicht selten wird der Köder derart gefaltet, dass der Jighaken in den Gummi gedrückt wird. Dadurch würde die Fehlbissrate steigen.

Pelagisch angeln: Köderführung und Gerät

Wir lassen die Gummifische zum Raubfisch hinunter und kontrollieren das Herablassen auf dem Echolotbild. Wichtig ist, dass der Köder nicht unter dem Räuber landet, weil dies den Fisch verschrecken könnte. Langsame Rutenbewegungen, zittern aber auch Stillstand kann den Räuber zum Anbiss reizen. Besonders große Hechte schießen manchmal bereits beim Ablassen auf den Köder. An anderen Tagen sind die Räuber vorsichtig, schwimmen nur langsam an den Gummifisch heran oder beißen nur zaghaft.

Um zaghafte Bisse parieren zu können, empfehlen wir eine leichte Vertikalrute mit schneller Aktion, bei der der Anhieb sofort durchkommt. Eine Baitcaster-Rolle ist wegen ihrer Schnelligkeit und dem drallfreien Aufspulen der Schnur von Vorteil. Eine geflochtene Angelschnur ist wegen ihrer hohen Tragkraft und geringer Dehnung unabdingbar. Um keine Zeit und die Chance auf einen Fisch zu verschenken, haben wir auch immer eine zweite montierte Ersatzrute an Bord.

Pelagisch angeln: Stahl ist Pflicht!

Wie bereits erwähnt, funktioniert das Pelagisch angeln sowohl auf Zander, als auch auf Hecht. Die Hechte sind auch nicht so zimperlich beim Biss. Wenn ein Meterhecht am Vertikalgerät tobt, ist der Drill sehr spannend. Aufgrund der „Hechtgefahr“ ist ein Stahlvorfach natürlich Pflicht. Bitte hier unbedingt auf Qualität und ausreichend Tragkraft achten! Teilweise haben wir Fische zwei Meter unter dem Boot gefangen. Auf so kurze Distanz kommt die Kraft des Anhiebs gut durch. Wer aber zu schwaches Material hat, sprengt beim Anhieb das Vorfach!

Zander haben sehr gute Augen; was dazu führt, dass sie ein Stahlvorfach erkennen. Leider ist sehr dickes Fluorocarbonvorfach keine Alternative. An sehr dicken Fluorovorfächern läuft der Köder außerdem nicht optimal. Deshalb verwenden wir beim pelagischen Vertikalangeln ein Kombi-Vorfach aus beiden Materialien. Am Köder direkt Stahlvorfach und darüber einen Meter 0,49er Fluorocarbon. Da die Fische den Köder hauptsächlich etwas versetzt von unten betrachten, verdeckt der große Gummi das Stahlvorfach.