80-Kilo-Wels gefangen: So reagiert Angler auf Peta-Anzeige

Für Angler Tobias Czarnecki war es wohl der Fang seines Lebens.

 
 
 

Ein Oberhausener Angler hat einen 2,21 Meter langen und 80 Kilo schweren Wels im Rhein gefangen. Tierschützer von Peta zeigten ihn an.

Oberhausen. So ein Fang ist nicht nur extrem selten, er ist sogar wirklich spektakulär: Ein Angler in Oberhausen zog einen mehr als zwei Meter langen, mehr als 80 Kilogramm schweren Wels auf dem Rhein.

Die Freude über das Anglerglück währte nicht lange. Denn die Tierschutzorganisation Peta hat den 36-Jährigen direkt angezeigt. Der Vorwurf: Weil er den Wels zwei Stunden lang am Haken hatte, bevor er ihn zurück ins Wasser warf, handele es sich um Tierquälerei. Jetzt sagt Angler Tobias Czarnecki allerdings: Es sei doch anders gewesen – Peta habe keinen Anlass für eine Anzeige.

Wels ist 80 Kilo schwer: Wahnsinnsfang in Rhein – alles Wissenswerte

Der Angler Tobias Czarnecki zog den Fang seines Lebens aus dem Rhein
Der Wels brachte es auf 80 Kilogramm und 2,21 Meter
Peta zeigte den Angler wegen Tierquälerei an – doch der wehrt sich
Der Fisch sei bei ihm in der Tiefkühltruhe, er habe es nicht unnötig gequält

2,21-Meter-Wels: So machte Angler den Fang seines Lebens

In den Morgenstunden des 20. Juli machte der Oberhausener Czarnecki im Rhein den Fang seines Lebens: ein Wels, 80 Kilogramm schwer; 2,21 Meter lang. Die Tierschutzorganisation Peta erstattete Anzeige gegen den 36-Jährigen.

Der rund 30 Jahre alte Wels zappelte rund zwei Stunden am Angelhaken, erst dann konnte Tobias Czarnecki den Rekordfang in Höhe der Emschermündung an Land ziehen.

Zuerst hatte der Angler angegeben, den Fisch wieder zurück ins Wasser gesetzt zu haben. Das hatten die Tierschützer von Peta zum Anlass für ein juristisches Vorgehen gegen den Maurer aus Oberhausen genommen. Peta hat nach eigenen Angaben Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Duisburg gestellt. Die Tierschutzorganisation erklärte: „Wir sehen in dem Verhalten des Anglers einen Verstoß gegen Paragraf 17 Absatz 2b des Tierschutzgesetzes, nach dem keinem Wirbeltier länger anhaltende Schmerzen und Leiden zugefügt werden dürfen.“

Im Gespräch mit unserer Redaktion rückte Czarnecki allerdings von seiner ersten Darstellung ab. Tatsächlich habe er den 80-Kilo-Wels nicht wieder in den Rhein gesetzt, sondern mit nach Hause genommen und für Verzehr als Fisch-Filet eingefroren – also kein sogenanntes Catch and Release, wie das Angeln von Fischen und anschließende wieder Freilassen heißt.

Peta: Mit „Catch and Release“ quälen Angler Fische

Beim Catch and Release werde den schmerzempfindlichen Tieren starkes Leid zugefügt, sagen die Tierschützer. Das Tier sei über einen längeren Zeitraum „erheblichen Qualen und Todesangst“ ausgesetzt gewesen.

In einer aktuellen Pressemitteilung zitiert Peta die Fachfrau Dr. Tanja Breining, die als Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere für die Tierschutzorganisation tätig ist. „Könnten Fische ihre Schmerzen durch laute Schreie ausdrücken, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei ein sportliches oder gar friedliches Hobby.“

Catch and Release bedeute für Fische enormen Stress und oftmals Verletzungen, argumentieren die Tierschützer. Viele der traumatisierten Tiere würden infolge dieser Tortur sterben.

Peta: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

Peta verweist auf Verfügungen des Amtsgerichts Lemgo vom 31. März 2011 (Az.: 25 Cs-22-Js 86/10-194/10), in denen ausdrücklich festgestellt worden sei, dass es sich beim Catch and Release um eine strafbare Handlung handele. Auch das Oberverwaltungsgericht Münster habe am 3. Juli 2015 (Az.: 20 B 209/15) ausgeführt, dass beim Ausüben der Catch-and-Release-Praxis kein vernünftiger Grund bestehe, den Tieren Schmerz und Leid zuzufügen, und dass diese Praxis somit gegen das Tierschutzgesetz verstoße.

Vergangenen Dezember sei ein Catch-and-Release-Angler zu einer Geldbuße von 200 Euro verurteilt worden, ergänzt die Tierschutzorganisation Peta in ihrer aktuellen Mitteilung. Bereits 2016 habe Ex-Fußballprofi Klaus Augenthaler in einem vergleichbaren Fall mehr als 3000 Euro Geldbuße gezahlt.

Zahlreiche Schmerz-Rezeptoren im Kopf- und Mundbereich

Die Tierschützer gehen mit Blick auf den Rekordfang im Rhein noch weiter ins Detail: Die britische Biologin Lynne Sneddon habe nachgewiesen, dass Fische im Kopf- und Mundbereich, also genau dort, wo der Angelhaken das Gewebe durchbohre, zahlreiche Schmerz-Rezeptoren hätten.

Fische würden konkretes Schmerzverhalten zeigen: „Sie bewegen sich ruckartig, reiben ihren Mund am Beckenrand, stellen die Nahrungsaufnahme ein und ihre Atemfrequenz erhöht sich“, erklärt Peta. Gebe man ihnen Schmerzmittel, würden sie dieses Verhalten wieder einstellen.

Auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, komme in einer Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten“.

Oberhausener will keine Geldbuße zahlen: „Warum sollte ich?“

Eine Geldbuße will der Oberhausener Angler auf keinen Fall zahlen. Das machte er im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich. Er habe alles richtig gemacht, der Fisch liege daheim in der Tiefkühltruhe und er sehe deshalb der Anzeige von Peta ganz gelassen entgegen: „Falls es nötig werden sollte, kann ich das mit Fotos beweisen“, ergänzt der Mann aus Königshardt. Nicht ausgeschlossen ist derzeit also, dass der Rekordfang vom 20. Juli Fall tatsächlich noch ein Gericht beschäftigen wird.

Die als sehr entschlossen geltenden Tierschützer von Peta unterstreichen in ihrer jüngsten Mitteilung, dass es ihnen auch um Grundsätzliches geht: „Wir sprechen uns generell gegen das Angeln und den Fischfang aus und unterstützen die 2017 ins Leben gerufene Weltkampagne zur Abschaffung der Fischerei.“

Gleich zwei große Fische gingen einem jungen Mann in Mülheim an den Haken: Der Angler musste allerdings 528,50 Euro Bußgeld zahlen, nachdem er die Welse wieder freigelassen hatte.