Peta gibt Tierschützern kuriose Tipps gegen Angler

Trifft ein Tierschützer auf einen Angler: Dafür hat Peta einen Ratgeber mit vier außergewöhnlichen Tipps veröffentlicht.

 
 
 

Was tun, wenn man als Tierschützer auf einen Angler trifft? Genau dafür hat Peta einen Ratgeber erstellt. Der Landesfischereiverband in Bayern hält das für fragwürdig.

Mal angenommen, ein Tierschützer geht an den nächstgelegenen See spazieren. Dabei trifft er auf einen Angler. Was tut er dann?

Diese Situation ist nicht der Beginn eines flachen Witzes. Vielmehr handelt es sich um ein für die Tierrechtsorganisation Peta ernstes Szenario, die im Angeln immer auch eine mögliche Misshandlung von Tieren sieht. Für tierliebe Spaziergänger hat sie deshalb einen Verhaltenskodex veröffentlicht, der Aktivisten bei einem Aufeinandertreffen mit Fischern anleiten soll.

Dort heißt es zum Beispiel: „Nicht alle Angler sind so friedlich, wie sie gerne tun.“ Daher rät Peta, die Lage vor Ort zunächst einmal abzuschätzen. Ist der Tierschützer alleine unterwegs oder in einer Gruppe? Sitzt der Angler alleine am Wasser? Trinkt er Bier, stehen Flaschen neben ihm? Und wie sieht er aus: freundlich oder etwa aggressiv?

Wurde die Situation evaluiert und als „potenziell ungemütlich“ eingestuft, sollten Spaziergänger laut Peta weitergehen. Lieber aus der Ferne sollten sie den weiteren Angaben zufolge beobachten, was passiert – „gerne mit der Handykamera griffbereit“, heißt es weiter. Fängt der Angler nichts, könne der Spaziergang unbeirrt fortgesetzt werden. Fischt er aber doch etwas und behandelt das Tier nicht nach Vorschrift, ermutigt Peta den Beobachter dazu, aktiv in die Situation einzugreifen.

Tierschützer gegen Angler: Peta strebt die Abschaffung des Fischfangs an

Die Tierschutzorganisation Peta ist bekannt dafür, mit Mitteilungen, Aktionen und Kampagnen provozieren zu wollen. Die Tierrechtler fordern unter anderem ein Verbot von Angelmessen und verurteilen das sogenannte „Catch and Release“. Dabei werden gefangene Fische wieder zurück ins Wasser geworfen. Einer Studie zufolge sterben bei dieser Art des Angelns immer noch 40 Prozent der Tiere. Außerdem unterstützt die Organisation die 2017 gegründete Weltkampagne „End of Fishing“, die sich für die Abschaffung des Fischfangs einsetzt. Dass Angler von Peta-Aktivisten angezeigt werden, ist daher keine Seltenheit.

Was aber bedeutet tierungerechte Behandlung im Zusammenhang von Fischerei? Das schlüsselt Peta in den Maximen ihres Angler-Ratgebers auf. Ein Verstoß gegen den Tierschutz ist es etwa dann, wenn der Angler den Fisch nicht mit einem Schlag auf den Kopf betäubt, bevor er ihn tötet. Wenn er ihn einfach in einen trockenen Eimer legt oder ihn wieder ins Wasser wirft, „nachdem er mit dem nach Sauerstoff ringenden Tier vor der Kamera posiert und den Fisch gewogen und gemessen hat“. Ist dies der Fall, empfiehlt der Verhaltenskodex die Notrufnummer 110 zu wählen, um dort einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zu melden. Die Polizei sei da sehr kooperativ, schreibt Peta auf ihrer Webseite. Alternativ könne man den Vorfall auch filmen und das Video über das „Whistleblower-Formular“ direkt an die Aktivisten senden.

Was aber, wenn der Angler nicht gegen das Gesetz verstößt? Dann rät die Organisation Folgendes: „Sie können trotzdem einen Aufseher suchen oder die Polizei anrufen und den Verdacht äußern, dass hier möglicherweise ohne Fischereischein und/oder unter Alkoholeinfluss geangelt wird.“

Das sagt der Landesfischereiverband zu den Peta-Tipps

Für das Anglergewerbe ist dies ein weiterer Affront der Tierschutzorganisation. Wie Thomas Funke vom Landesfischereiverband in Bayern erklärt, betrachte man den Ratgeber mit Amüsement einerseits und Ärger auf der anderen Seite. Die Aufforderungen, die darin enthalten sind, gingen zu weit, sagt Funke und bezweifelt das Rechtsverständnis der Aktivisten: „Angler prophylaktisch zu filmen, weil sie mutmaßlich das Tierschutzrecht verletzen – das geht nicht. Jeder Mensch hat ein Recht am eigenen Bild.“

Darüber hinaus könnten Außenstehende oft nur schwer einschätzen, ob ein Fisch vielleicht wieder ins Wasser gehört. „Ist er nämlich zu klein, fällt er unter das Schonmaß.“ Trotzdem müsse der Angler das Tier zu sich holen, um den Haken zu entnehmen. Ein Spaziergänger könne diesen Vorgang aber meist nicht richtig beurteilen. „Was nicht bedeutet, dass er die Situation nicht beobachten darf.“

Allerdings, sagt Funke, hätte jeder Angler einen Schein, der ihn zum Angeln bevollmächtigt. Ihm die Fische wegzunehmen, wie es Peta in einem weiteren Tipp des Ratgebers vorschlägt, sei Diebstahl. Steine ins Wasser zu werfen, um die Fische zu verscheuchen, wahrscheinlich Nötigung. Natürlich, sagt Funke, lehne es auch der Landesfischereiverband ab, wenn Fische nicht ordentlich behandelt werden. Zumal Angler zunächst einen Kurs besuchen müssen, in dem der Umgang mit den Tieren gelehrt wird. „Wer dem am Ende nicht folgt, muss mit Konsequenzen rechnen.“

Um das zu verhindern, patrouillieren sogenannte Fischerei-Aufseher, die von den Landratsämtern eingesetzt werden. Wie Funke erklärt, hätten diese Personen besondere Rechte, dürften etwa den Fang, die Fanggeräte, aber auch den Schein des jeweiligen Fischers kontrollieren.

Fischereiverbände übernehmen die Hege von Fischen und Gewässern

Die Fischereiverbände tragen insgesamt Sorge dafür, dass der Bestand von Fischen und Gewässern erhalten bleibt. So sei zum Beispiel die Anzahl der Fischer, die in einem bestimmen Gewässer fischen dürfen, streng reglementiert – ebenso sei es die Zahl der Fische, die aus dem See, Bach oder Tümpel entnommen werden dürfen, sagt Funke. Denn den Anglern komme immer eine Hegefunktion von Tieren und Umwelt zu. Deshalb züchteten Verbände auch bedrohte Arten, um sie anschließend wieder auszuwildern: „Um den Bestand stabil zu halten.“

Angeln dann zusätzliche Privatpersonen gewissermaßen schwarz in den Gewässern – ohne Anglerschein also – sprenge das sämtliche Hegebemühungen. „Das kontrollieren wir aber selbst“, betont Thomas Funke vom Landesfischereiverband. „Dazu brauchen wir keine Peta.“ Eine Tierschutzorganisation, die aktiven Tierschutz ohnehin nicht betreibe, wie Funke kritisiert.