Angler aus Zerbst mit Tierrechtlern von PETA im Streit

Angler aus Zerbst wehren sich gegen die Tierrechtsorganisation PETA. (Archivbild)

 
 
 

Der Tierrechtsverein PETA macht gegen Angler mobil und fordert dazu auf, an Angelplätzen Fische zu verscheuchen oder zu befreien. Fischen sei Gewalt gegen Tiere, heißt es von PETA. Die Angler in Zerbst sind empört: Sie setzten sich für den Schutz von Fischen ein.

Idyllisch ist es an der Nuthe bei Zerbst. Unter hohen Erlen schlängelt sich der Fluss gemächlich entlang des dicht bewachsenen Ufers. Ein idealer Platz zum Angeln. Daher wirft Olaf Saar hier regelmäßig seine Köder aus. Auch, um zu entspannen: „Wenn man dabei leise ist, kommen Eisvögel ganz nah, auch Rehe und Waschbären. Das ist einfach Natur pur.“

Saar ist Gewässerwart im Anglerverein Zerbst und beschreibt sich selbst als Tierfreund. Über die Vorwürfe von PETA ist er entsetzt. „Das ist Quatsch, was da verbreitet wird. Die Leute wissen gar nicht, wovon sie reden“, glaubt Saar. Und er lädt die Tierschutz-Aktivisten ein: „Nicht im Internet motzen, sondern mal mit anpacken.“ Der Gewässerwart verweist auf die ehrenamtliche Arbeit der Zerbster Angler: „Wir sammeln regelmäßig den Müll aus den Gewässern, verschneiden das Schilf, halten die Ufer frei.“ Unzählige Arbeitsstunden kämen dabei zusammen.

Angeln sei eben mehr als Fischefangen und Biertrinken, ergänzt Reinhard Möhring. Auch er gehört zum Zerbster Anglerverein. Ihn stört vor allem, dass der Tierrechtsverein sagt, Angler würden die Fische leiden lassen. „Fische empfinden keinen Schmerz“, sagt Möhring. Wissenschaftliche Studien von renommierten Ökologen würden das längst belegen, so der Angler.

Zerbster Angler helfen bedrohten Fischarten

Und ohne die Angler gäbe es kaum noch Fische, sagt Saar. Der Zerbster Anglerverein zählt etwa 430 Mitglieder. Sie setzen zum Beispiel jedes Jahr Tausende Minifische aus. Kleine Aale, Forellen, Zander, aber auch Karauschen und Äschen. Knapp 5.000 Euro bezahlen die Angler dafür aus der eigenen Kasse. Jedes Jahr, so Saar.

Die Zerbster Petrijünger kümmern sich zudem um bedrohte Arten. Fische, die auf der roten Liste stehen, wie die Mühlkoppe, das Bachneunauge, Schmerlen und Schlammpeitzger. „Wir bauen den Fischen in der Nuthe künstliche Unterstände, legen Feldsteine ins Flussbett, damit sich die seltenen Fische verstecken können“, erklärt Saar. Nicht zuletzt ist es auch dem Engagement der Zerbster Angler zu verdanken, dass Wanderfische wie der Lachs langsam wieder heimisch werden in der Nuthe. „Von PETA hat uns noch keiner beim Aussetzen oder Pflegen der Fische geholfen“, so der Gewässerwart.

PETA bleibt bei Standpunkt

rotz der Argumente der Angler rückt der Tierrechtsverein nicht von seinen Standpunkten ab. Auf der eigenen Internetseite beschreibt PETA die „besten Tipps, damit Ihnen der leidvolle Anblick eines aufgespießten Tieres, das um sein Leben kämpft, erspart bleibt“. So sollten Spaziergänger in der Nähe der Angelstellen Kieselsteine ins Wasser werfen und „wenn Sie nicht alleine mit einer Gruppe von betrunkenen Anglern konfrontiert sind“, versuchen, die gefangenen Fische zu retten.

Wie genau soll dabei vorgegangen werden? „Das obliegt den Spaziergängern. Wer wie etwas macht und sich entscheidet, ist seine Sache“, erklärt der Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA Deutschland, Edmund Haferbeck, auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT. So könne es beispielsweise genügen, die meist unzureichende Wassermenge im Eimer oder Bottich aufzufüllen, sagt Haferbeck.

Anglerverband stellt Strafanzeige gegen PETA

Der Deutsche Angelfischerverband hat inzwischen Strafanzeige gegen PETA gestellt. Die Angler werfen dem Tierrechtsverein unter anderem eine Aufforderung zu Straftaten vor. PETA hat den Text auf der Internetseite bereits geändert. Statt in der Nähe von Anglern Steine ins Wasser zu werfen, wird nun empfohlen, Kieselsteine zu verwenden, um die Fische zu warnen. „Für Kinder gibt es nichts Schöneres, als Kieselsteine ins Wasser zu werfen, das weiß jedes Kind und jeder Erwachsene, nur die Angler nicht“, ergänzt dazu Haferbeck.

Nun muss wohl ein Gericht über den Fall entscheiden. Die Zerbster Angler hoffen, dass sich im Streit mit PETA die Wogen bald glätten – und an der Nuthe wieder Ruhe einkehrt.