So kommt man auf Mallorca an einen Angelschein

Immer schön auf die Mindestgrößen achten. Foto: Screenshot
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Den Angelschein bekommt auf Mallorca im Prinzip jeder. Dafür braucht man nur einen Ausweis und etwas Kleingeld. Regeln gilt es dennoch zu beachten. Schließlich darf nicht jeder Fisch eingeholt werden

Angeln ist eine Form der Meditation. Stundenlang warten die Fischer geduldig, ob etwas anbeißt oder eben nicht. Dabei stehen die Angler im Einklang mit der Natur und können sich während der Wartezeit philosophische Fragen stellen. Zuckt dann die Leine und der Schwimmer wird unter die Wasseroberfläche gezogen, strömt der Körper Adrenalin aus. Der ultimative Nervenkick wird erreicht, wenn der Angler nach langem Kampf einen dicken Brocken aus dem Meer zieht, der zum Abendessen in der Pfanne landet.

Wie in Deutschland bedarf es dafür jedoch einen Angelschein. Während der Ausweis in der Heimat mit einer Prüfung verbunden ist, gibt es die Lizenz auf Mallorca schon nach wenigen Klicks im Internet.

Das sei gut so, meint Joan Alba vom Hobbyfischerverband „Asociación Mallorquina de Pesca Recreativa Responsable“. „Vor ein paar Jahren gab es die Lizenzen nicht so einfach. Da gab es viel mehr Wild­angler. Wichtig ist, dass die Fischer über die Regeln informiert sind.“ Dazu tragen auch die Kontrollen bei. „Hier wird mehr kontrolliert als in jedem anderen Land am Mittelmeer oder auf dem spanischen Festland. Der Unterschied von Mallorca zu Andalusien ist wie Tag und Nacht.“

Welche Lizenzen gibt es?

Das Hobbyangeln (pesca recreativa) wird auf den Balearen in verschiedene Kategorien eingeteilt. Kinder bis 14 Jahre können kostenlos ohne Lizenz angeln. Angler ab 65 Jahren müssen zwar nichts für den Angelschein bezahlen, diesen aber trotzdem beantragen. Wer einfach nur vom Land aus angeln möchte, braucht die licencia de pesca marítima recreativa individual. Sie erlaubt das Angeln auch von kleinen Schwimmgeräten aus, z. B. von Kajaks, Kanus oder Tretbooten. Der Angelschein ist drei Jahre lang gültig.

Eine spezielle Lizenz brauchen Angler für das Speerfischen (pesca submarina), für das Angeln von größeren Booten aus (pesca de embarcación) oder das Sportfischen (pesca deportiva). Wer einen Angelschein aus einer anderen spanischen Region hat, braucht auf Mallorca keinen neuen zu machen.

Wo bekomme ich die Lizenz?

Den Umstand, dass der Angelschein in Deutschland nur recht umständlich zu bekommen ist, machen sich deutsche Anbieter auf Mallorca zunutze, die für ihre Dienste teilweise den fünffachen Preis der eigentlichen Kosten fordern. Dabei bekommt man eine einfache Lizenz zum Selbstausdrucken schon für 16 Euro.

Am einfachsten ist es, die Lizenz im Internet zu holen. Unter bit.ly/angelschein gelangen Sie auf die Seite der Balearen-Regierung (Spanisch oder Katalanisch). Die Beantragung startet rechts unten mit einem Klick auf das blaue Feld „Inicar un nuevo trámite“. Es öffnet sich eine Standard-Datenschutzerklärung. Über das Feld „Si­guiente“geht es zur nächsten Seite. Dort muss in der Mitte die „Solicitud“ angeklickt werden. Im nächsten Schritt wird abgefragt, ob Sie die Lizenz neu beantragen oder erneuern wollen. Für eine neue Lizenz müssen Sie nichts anklicken und können über „Siguiente“ zur nächsten Seite gehen. Dort geben Sie Ihre Daten ein. Danach wählen Sie die Insel und die Zone aus, in der Sie angeln wollen. Bevor es zur Bezahlung geht, müssen Sie mit einem Klick noch einmal bestätigen, dass Sie Ihre Daten korrekt angegeben haben. Die Gebühr kann per Kreditkarte oder Online-Banking beglichen werden. Am Ende der Prozedur erhalten Sie die Lizenz als PDF-Dokument. Sie müssen es ausdrucken.

Wer sich die Klickerei im Internet nicht zutraut, kann in der Dirección General de Pesca y Medio Marino (C/ de la Reina Constança, 4, Palma) oder in den Büros der Landwirtschafts- und Fischerei-Behörde Fogaiba in Campos, Felanitx, Manacor, Inca, Sa Pobla und Sóller vorstellig werden. Dort kostet die Lizenz dann 26 Euro. Mitzubringen ist der ausgefüllte Antrag, den es ebenfalls unter der vorherigen Internetadresse gibt, eine Kopie des Ausweises und – falls nötig – ein Nachweis, dass Sie Rentner sind.

Ähnlich läuft es bei den anderen Lizenzen ab. Das Angeln vom Boot aus kostet 46,84 Euro für bis zu sechs Meter lange Schiffe, 77,18 Euro für größere Boote. Die Bootsdokumente müssen bei Beantragung eingereicht werden. Der Angelschein gilt dann pro Boot. Wie viele Leute auf dem Schiff angeln, ist egal. Für das Speerfischen muss ein Nachweis der Zugehörigkeit zum Verband oder ein medizinisches Gutachten und eine Versicherung vorgezeigt werden. Der Schein kostet 28,69 Euro. Die Lizenz für das Sportfischen ist kostenlos und über den Verband erhältlich.

Wo darf ich Angeln?

Die Vorschrift unterteilt das Meer um die Insel in die Küstenlinie (aguas interiores) und Meeresschutzgebiete (reservas marinas), wo bestimmte Auflagen gelten.

Verboten ist das Angeln in weniger als 100 Meter Abstand von Badegewässern, am Strand zwischen 7 und 22 Uhr zwischen dem 1. Mai und 30. September, im Umkreis von 250 Metern von professionellen Fischern, in besonders geschützten Gebieten sowie rund um die Insel Dragonera und im Nationalpark Cabrera.

In den rund um die Insel verteilten Meeresschutzgebieten darf unter bestimmten Bedingungen geangelt werden. Welche das jeweils sind, erfährt man ebenfalls auf der Website bit.ly/angelschein unter dem Punkt „Cuaderno pesca recreativa“. Beginn und Ende der Meeresschutzgebiete werden durch weiße Säulen an Land gekennzeichnet. Diese gelten jedoch nur als Richtlinie. Bei offiziellen Kontrollen gelten die GPS-Koordinaten.

Geeignete Angelplätze gebe es rund um die ganze Insel, meint Joan Alba. Nur die Küste an der Serra de Tramuntana sei wenig attraktiv, weil dort die Bestände stark überfischt seien.

Was darf ich einholen?

Neben Fischen dürfen Kopffüßler wie Tintenfische und einige Wirbellose gefangen werden. Die Anzahl der Beute ist auf fünf Kilogramm plus ein Stück pro Angelschein beschränkt. Also beispielsweise fünf Kilogramm an kleinen Fischen und Meereslebewesen und einen großen Fisch. Bei Booten liegt das Maximum an erlaubtem Fang bei 25 Kilogramm und einem Stück.

Damit sich die Fische wenigstens einmal in ihrem Leben fortpflanzen können, gibt es für den Fischfang Mindestgrößen. Diese unterscheiden sich zwischen den Naturschutzgebieten und den normalen Küstengewässern (siehe Abbildungen links). Gemessen wird der komplette Fisch vom Maul bis zur Spitze der Schwanzflosse. Ist der gefangene Fisch zu klein, muss er zurück ins Meer geworfen werden – auch wenn er schon tot ist.

Welche Fische sind tabu?

Gar nicht gefangen oder eingeholt werden dürfen unter anderem Krebstiere wie etwa Langusten oder Garnelen sowie Muscheln oder Meerschnecken. Auch bei den Fischen gibt es weitere Ausnahmen. Um den illegalen Verkauf von Fischen durch Hobbyangler zu verhindern, müssen bestimmte Exemplare nach dem Fang markiert werden. Dabei wird der untere Teil der Schwanzflosse abgeschnitten, ohne dabei den Messwert der Länge zu verändern. Zu den Fischen gehören die Große Bernsteinmakrele, der Große Rote Drachenkopf oder der Gewöhnliche Umber.

Haie und Rochen dürfen gar nicht gefangen werden. Aus Bestandsschutzgründen darf von manchen Fischarten nur ein Exemplar pro Tag und Lizenz gefangen werden (siehe links). Wer draußen auf dem Meer Roten Thun, Speerfisch, Mittelmeer-Speerfisch, Seehecht, Weißen Thun, Schwertfisch oder Großaugen-Thun einholen will, braucht eine besondere Genehmigung von der Regierung.

Der auf Mallorca beliebte raor (Schermesserfisch ) darf nur im Zeitraum vom 1. September bis 31. März gefangen werden.Hobbyfischer dürfen zudem keine professionellen Fischfangmethoden wie Schleppnetze verwenden. Die genauen Regeln finden sich ebenfalls im spanischsprachigen „Cuaderno pesca recreativa“.

Welche Fische sind giftig?

Dort warnt die Fischereibehörde auch vor den giftigen Tieren. Angler – wie auch Badegäste – sollten sich vor dem Petermännchen in Acht nehmen. Der Fisch gräbt sich im Sand ein, mitunter treten Strandbesucher auf ihn. Das Gift verursacht starke Schmerzen. Des Weiteren können Rochen vor der Küste auftauchen, die bis zu drei Giftstachel am Schwanz haben. Zu den giftigen Fischen in den Inselgewässern zählen auch der Große Rote Drachenkopf und der Dornhai.

Wann ist die beste Zeit?

„Auf Mallorca kann man das ganze Jahr über angeln“, sagt Joan Alba vom Hobbyfischerverband. Es ändern sich lediglich die Fischbestände. Die beste Zeit zum Fischen ist somit auch Geschmackssache. „Anfang des Jahres sieht es etwas mau aus. Derzeit kann man hauptsächlich Tintenfische fangen.“ In den Frühjahrsmonaten März und April stehen die Chancen nicht schlecht, einen Plattfisch an den Haken zu bekommen.

Die größte Fischvielfalt gebe es aber im Oktober und November. Und besonders trachtet es die mallorquinischen Angler nach dentones, also Zahnbrassen. „Das liegt aber an den Angelsendungen im Fernsehen, dadurch ist er in Mode gekommen“, sagt Joan Alba.