Theorie und Praxis beim Angelsportverein in Karben – Auch die jungen Angler müssen büffeln

Auf dem Vereinsgelände stehen Übungen an. Der Karbener Christian Hauk präsentiert einen gefangenen Fisch.
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Lothar Schädel kennt sich mit dem Fischen aus. Seit zehn Jahren leitet der Fachmann Lehrgänge auf dem Vereinsgelände. Zu den Fortbildungen finden sich längst nicht nur Karbener ein.

Der Fischfang gehört für viele Menschen zu den schönsten Freizeitaktivitäten. Was früher eine elementare Voraussetzung zum Überleben darstellte, wird heute hobbymäßig oder aus sportlichen Gründen betrieben. Naturverbundenheit, Jagd und Entspannung vom hektischen Alltagsleben machen die Mischung aus. Dieses Phänomen scheint sich beinahe durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten zu ziehen.

Fliegenfischen als große Leidenschaft

In Karben weiß das kaum einer besser als Lothar Schädel. Der Fachmann vom Angelsportverein (ASV) Groß- und Klein-Karben leitet seit zehn Jahren Fischereilehrgänge auf dem Vereinsgelände am Günter-Reutzel-Weg. An mehreren Sonntagen bereitet der 67-Jährige seine Kursteilnehmer auf die staatliche Fischereiprüfung vor. 40 Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten sind vom hessischen Gesetzgeber vorgesehen. Ausreichende Kenntnisse in den fünf Sachgebieten allgemeine Fischkunde, spezielle Fischkunde, Gewässerkunde, Gerätekunde und Gesetzeskunde müssen in dieser Zeit erlangt werden. Es gibt theoretischen Unterricht im Anglerheim und verschiedene praktische Unterweisungen an den Teichen.

Die Klientel sei sehr vielschichtig, erzählt der Trainer. Es kämen Interessenten zwischen 12 und 60 Jahren, die beim ASV den Vorbereitungskurs absolvieren möchten. „Oftmals sind das ältere Herrschaften, die am Anfang ihres Rentenalters stehen. Für sie stellt sich die Frage: Was mache ich mit meiner neu gewonnen Freizeit, wenn ich nicht mehr zur Arbeit gehe? Angeln kennt jeder, und bei den meisten ist das Grundinteresse schon länger vorhanden.“

Dabei kann es durchaus überraschen, dass neben Karbenern auch einige Teilnehmer aus anderen Kreisen den Weg zum ASV-Gelände finden. Offenbach, Frankfurt, Main-Kinzig-Kreis, Main-Taunus-Kreis – die Autokennzeichen auf dem Parkplatz sind bunt gemischt. „Für sie ist es von Vorteil, dass ich meine Lehrgänge immer sonntags anbiete“, erläutert Lothar Schädel. Da trifft man zum Beispiel Vater und Sohn; weil der Kleine gerne angeln möchte, muss der Große erst einmal die notwendige Prüfung ablegen. Oder einen Jäger, der nicht nur seine Flinte, sondern auch die Angelrute beherrschen will. Andere kommen, weil sie YouTube-Videos gesehen haben und es gerne einmal selbst ausprobieren möchten.

Klappt es dann während einer Unterweisung mit dem ersten selbst gefangenen Fisch, schlottern dem einen oder anderen die Knie. Von solchen Geschichten kann Lothar Schädel berichten. Manchmal bekommt er Post von ehemaligen Kursteilnehmern, die ihm schreiben, wo sie waren und was sie gefangen haben. Per E-Mail sei das alles ja kein Problem.

„Ich selbst konnte ja nur Fischer werden“, sagt er. „Meine Familie hat mir die Angelrute quasi mit in die Wiege gelegt. Mein Vater, Bruder und fast alle Nachbarn waren Angler. Außerdem hatte ich es nie weit bis zur Nidda.“

Seine große Leidenschaft ist das Fliegenfischen. Durch den Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ wurde diese spezielle Art des Fischens einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Schädel fährt dafür hin und wieder nach Österreich. An den dortigen Gewässern kennt er sich aus. Die gefangenen Fische müssen weiterverwertet und dürfen nicht ins Wasser zurückgesetzt werden. Das Prinzip „Catch and Release“ (Fangen und Zurücksetzen) ist dagegen in einigen Regionen Deutschlands Usus. Von Bundesland zu Bundesland gibt es unterschiedliche Richtlinien. Durch das Hessische Fischereigesetz wird es zwar untersagt, andernorts aber praktiziert.

2015 wurde Catch and Release vom Deutschen Tierschutzbund als „Töten auf Raten“ geächtet. „Wir haben in Deutschland kein einheitliches Fischereigesetz“, gibt Schädel zu bedenken. „Ein Bundesfischereigesetz existiert nicht. Hauptgrund dafür ist das regional unterschiedliche Fischvorkommen in den Gewässern. Das macht die Sache schwierig.“

Der aktuelle Lehrgang

Der Lehrgang wird am 20. März in Büdingen geprüft. Zuständig ist in der Regel die Untere Fischereibehörde, in deren Bereich die Prüfungsteilnehmer ihren gewöhnlichen Wohnsitz haben. Zugelassen werden nur Personen, die den Vorbereitungslehrgang erfolgreich absolviert haben. Minderjährige benötigen die Einverständniserklärung des Erziehungsberechtigten. In der Prüfung sind 60 Fragen aus einer staatlichen Fragensammlung zu beantworten (zwölf aus jedem Sachgebiet). Um zu bestehen, müssen insgesamt 45 Antworten richtig sein (neun pro Sachgebiet). Die Prüfung kann unbegrenzt wiederholt werden. Ein erneuter Vorbereitungslehrgang ist allerdings Pflicht. Fischereischeine sind für ein, fünf oder zehn Jahre gültig.